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Abkürzungen in mit Bindestrichen verbundenen Komposita

Klammer-ZeichenEs ist ein eher seltener Problemfall bei Schreibweisen, aber er kommt vor. Meist im Rahmen wissenschaftlicher Arbeiten, aber nicht nur: Das Mischen von Abkürzungen mit „Bindestrich-Wörtern“.

Der Normalfall

Normalerweise sind erklärende Abkürzungen in Texten kein Problem. Sie werden einfach in Klammern hinter das zu erklärende Wort geschrieben:

Deutsches Rotes Kreuz (DRK)

Nun aber kann es vorkommen, dass der Ursprungsbegriff gemeinsam mit einem anderen Begriff zu einem neuen Substantiv wird – und dann durchgekoppelt werden muss, d. h. also mit Bindestrich geschrieben. Auch das ist noch kein Problem:

Die DRK-Veranstaltung

Das wäre schlicht die Kurzform von „Die Deutsches-Rotes-Kreuz-Veranstaltung“. Was aber, wenn sowohl die Langfassung als auch die Kurzform beide gleichzeitig im Begriff vorhanden sein sollen?

Der Problemfall

Nun haben wir das Problem. Denn jetzt wissen wir nicht, wo wir mit der Abkürzung in der Klammer hinsollen. Die meisten entscheiden sich für die folgende Version

Deutsches Rotes Kreuz (DRK)-Veranstaltung

und produzieren damit einen veritablen Grammatikfehler – denn auf die Bindestriche zwischen allen Wörtern darf nicht verzichtet werden. Aber auch

Deutsches-Rotes-Kreuz-(DRK)-Veranstaltung

geht nicht, denn das verstieße gegen die Regel, dass man die Klammer entfernen können muss, ohne dass sich das übrigbleibende Wort falsch schreibt. Beim Entfernen der Klammer würden aber auf einmal 2 Bindestriche aufeinanderstoßen – ebenfalls ein Fehler.

Die Lösung für das Problem

Ein Workaround oder auch Kompromiss besteht darin, den Bindestrich vor der Klammer einfach wegzulassen:

Deutsches-Rotes-Kreuz(DRK)-Veranstaltung

Diese Version gilt als zulässig und wird auch vom Duden als mögliche Lösung betrachtet. Allerdings rollen sich allen Sprachsensiblen und Typographen dabei die Fußnägel auf, denn damit wird zwar der Grammatikfehler vermieden und die Bedingung, dass die Klammer ohne Nebenwirkungen entfernt werden können muss, erfüllt – dafür entsteht nun ein neuer Schreib- bzw. Typographiefehler. Eine Klammer darf nämlich eigentlich nie direkt an einem Wort kleben, wenn sie keine Wortbestandteile ergänzen soll. Letzteres ist hier nicht der Fall, der Klammerinhalt ist in sich abgeschlossen. Im Beispiel aber folgt auf „Kreuz“ nun direkt eine sich öffnende Klammer, obwohl der Klammerinhalt dieses Wort nicht ergänzen, sondern alle gekoppelten Wörter erklären soll.

Die bessere Lösung

Die perfekte Lösung bedient sich daher eines kleinen Tricks. Der Abkürzung in der Klammer wird einfach auch ein Bindestrich verpasst – und die Abkürzung damit ebenfalls in Bezug zum folgenden Wort gesetzt. Die erklärende Abkürzung in Klammern wird somit nicht nur wie eine Abkürzung behandelt, sondern (auch) zum Teil der gesamten Wortkonstruktion gemacht:

Deutsches-Rotes-Kreuz-(DRK-)Veranstaltung

Nur in dieser Variante bleibt das Prinzip gewahrt, dass Klammern samt Inhalt entfernt werden können müssen, ohne den Rest zu verfälschen. Und die typographischen Abstände stimmen ebenfalls, denn das nun seinerseits auf die schließende Klammer direkt treffende Wort „Veranstaltung“ wird von der Abkürzung sinnvoll ergänzt.

Auch diese Variante hat leider ihre Kehrseite, denn eigentlich gehört die Erklärung zur ersten Wortgruppe. Durch den vor die Klammer gezogenen Bindestrich wirkt die Klammer optisch etwas zu weit weg vom erklärten Wort und zu nah dran am Folgewort. Dies ist jedoch das geringere Übel, wenn sich dafür unter allen Gesichtspunkten fehlerfrei schreiben lässt. Rechtschreibtechnisch ist es in dieser Konstellation die beste Lösung, ohne einen Grammatik- oder Typographiefehler zu machen.

Noch besser ist nur, diese Schreibkonstellation gar nicht erst aufkommen zu lassen, indem man den gesamten Satz umformuliert.










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16.03.2015 | Daniel Schneider, Barnestraße 73, 31515 Wunstorf, Tel. +49 (0)5031 9779945, mail@fehler-haft.de